Neuvermessung mit Folgen

Bereits im Jahr 1602 berief Herzog Friedrich von Württemberg den Geometer Heinrich Schickhardt nach Liebenzell. Sein Auftrag: Gemeinsam mit den Feldmessern Martin Motzer aus Tübingen und Conrat Pfehler aus Stuttgart sollte er die Ämter Altensteig und Liebenzell – inklusive aller Wälder und Felder – erneut vermessen. Diese Gebiete waren zuvor bereits vom Markgrafen von Baden, dem Verkäufer, erfasst worden.

Die Neuvermessung brachte für den Herzog einen entscheidenden Vorteil: Sie deckte eine gravierende Lücke im Kaufvertrag auf. Die badischen Unterhändler hatten bei der ursprünglichen Vermessung die badische „Rute“ verwendet, die jedoch kleiner als die württembergische Rute war. Im Vertrag selbst war jedoch festgelegt, dass die württembergische Rute gelten sollte.

Der Streit um das richtige Maß – und wer ihn für sich entschied

Während die Badener argumentierten, dass das badische Maß anzuwenden sei, da es sich um ehemaliges badisches Land handele, bestand Schickhardt darauf, das württembergische Maß zu verwenden. Seine Begründung: Der Vertrag war in Stuttgart abgeschlossen worden, und dort galt nun einmal dieses Maß.

Ein weiterer Streitpunkt entstand, als Schickhardt entdeckte, dass der Markgraf von Baden bei seiner Vermessung auch Flächen einbezogen hatte, die ihm gar nicht gehörten und zudem kaum Ertrag brachten. Er bezeichnete dies abfällig als „badische Possen“.

Schickhardt setzte durch, dass diese Flächen unberücksichtigt blieben und der Vertrag auf das württembergische Maß gestützt wurde. Dadurch, so notierte er nicht ohne Stolz in seinem Inventar, sparte er dem Land Württemberg mehrere tausend Gulden beim Kauf der neuen Ämter.


Seine Fähigkeiten wurden geschätzt

Schickhardts Aktivitäten bei der Landvermessung wurden gleichwohl auch von der Gegenseite geschätzt. In seinem Inventar findet sich die Zeichnung eines Bechers, der ihm 1607 von Markgraf Georg Friedrich dafür verehrt wurde.

Der Baumeister hat den Becher, den er als „ein vergüldt“ (d. h. vergoldetes) „Trinckhgeschirr“ bezeichnete, jedoch rasch versilbert. „Den hab ich verkauft“, steht lapidar neben der Zeichnung.

Link zur Stelle im Inventarium

[Weiteres Beispiel eines Verkaufs]


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